(Prime Quants) – Erinnern Sie sich vielleicht an diesen markigen Begriff aus lange schon vergangenen Tagen, als gesellschaftliche und wirtschaftliche Ideologien noch voller Leidenschaft und Pathos verfochten wurden? Nun wird ja ganz gerne behauptet, dass früher sowieso alles besser war…“die gute alte Zeit“ heißt es dann oft mit etwas Wehmut, ob gespielt oder echt, in der zumeist angemessen kummervoll gesenkten Stimme. Dem wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht grundsätzlich und in jeder Beziehung widersprechen, aber…Klassenkämpfe gibt es heutzutage immer noch! Die Schauplätze haben sich nur verlagert – von den Küchentischen der Apo-Generation, der guten alten 68er, hin aufs…genau, auf das Börsenparkett. Da tobt seit einiger Zeit nämlich ein, zugegebenermaßen überwiegend lautloser, deshalb jedoch nicht minder heftiger Kampf der… Anlageklassen! Im Allgemeinen wird der Kapitalmarkt bekanntlich in verschiedene Sparten eingeteilt, die sogenannten Anlageklassen nämlich – da finden sich neben Aktien die Renten- bzw. festverzinslichen Wertpapiere wie Anleihen, Schatzbriefe etc., aber auch Rohstoffe, Immobilien und, nicht zu vergessen, die sogenannten „liquiden Mittel“, die gar nicht erst in Geld umgewandelt werden müssen, sondern schon auf diversen Tages- oder Festgeldkonten usw. vor sich hin gammeln. Führten die früher mal ein trautes Mit- und Nebeneinander in der Gunst der Anleger und Investoren, geht es mittlerweile hart ans Limit:

Nullnummer

Dank der überaus großzügigen Geldspenden der EZB in Form von exzessiven Anleihekäufen und der kompromisslosen Nullzinspolitik derselben Behörde haben die „sicheren“, eher konservativ ausgerichteten Sparten immens an Boden verloren. Jüngstes „Opfer“ waren die guten alten zehnjährigen Bundesanleihen. Deren Renditen fielen gerade erstmals auf 0,05 Prozent und sind auf dem besten Weg, eine echte Nullnummer zu werden. Nennenswerte Erträge? Dafür doch nicht! Risikoaverse Investoren wie beispielsweise Versicherer und Pensionsfonds werden damit allerdings zunehmend (und gezwungenermaßen) in riskantere Bereiche wie Aktien und Immobilien gedrängt. Die Folge davon: Blasenbildung für Fortgeschrittene! Denn die Preise für Aktien und Betongold steigen und steigen und steigen, schließlich gelten erstere derzeit als „alternativlos“ und letzteres als „krisensicher“. Beides ist jedoch falsch. Sind die Preissteigerungen nämlich nicht mehr an die reale Wirtschafts- bzw. Wertentwicklung gekoppelt, sondern von reiner (übermäßiger) Liquidität getrieben, drohen statt goldener eher magere Zeiten in Form von neuen Crashs auf dem Aktien- und/oder Immobilienmarkt. Aber hey – anders als beispielsweise noch 2008, als das Platzen der US-amerikanischen Hypothekenblase die gesamte Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs brachte, haben wir heute ja die Notenbanken als „sicheren Hafen“…solange die noch Geld drucken, kann uns so etwas doch wohl nicht mehr passieren, oder?

Manifest(iert)

Also…darauf verlassen möchten wir uns lieber nicht. Andere offensichtlich aber auch nicht, deshalb ging es in dieser Handelswoche an den Märkten tendenziell weiter abwärts. Dabei hat sich eine interessante Korrelation ausgebildet – der DAX bewegt sich nämlich exakt entgegengesetzt zum Euro: steigt letzterer, fällt der Aktienindex und umgekehrt. Diese Entwicklung könnte ein Indiz für das Verhalten vor allem ausländischer Investoren sein, die bei einem stärkeren Euro wieder vermehrt in Übersee, sprich an den US-Märkten einsteigen. Die präsentierten sich in den vergangenen Tagen auch dementsprechend fester – der Dow Jones legte seit seinem Tief vom Monatsanfang bei 17.585 Punkten 2,7 Prozent zu, davon entfielen allein 1,3 Prozent auf diese Handelswoche, wohingegen der DAX bislang nur magere 0,3 Prozent für seine Wochen-Performance verbuchen konnte. Seit dem Allzeithoch bei 12.391 Zählern von vor 14 Tagen hat der deutsche Leitindex damit 5,38 Prozent eingebüßt, der Dow notiert dagegen nur -1,26 Prozent unter seinem bisherigen Rekordhöchststand bei 18.289 Punkten. Es scheint, als ob sich bei den Indizes eine Verschiebung zu Gunsten der US-amerikanischen Märkte manifestiert hat, vielleicht ein Zeichen dafür, dass Geld alleine eben doch nicht glücklich macht. Herrn Drgahi und den Seinen dürfte diese Entwicklung jedenfalls zu denken geben!

Erfolgreiche Trades wünscht

Ihr
Sebastian Jonkisch

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