(Prime Quants) – Mit einem Minus von über 2% erlitt der EURO den grössten Wochenverlust gegenüber dem US-Dollar seit Juli letzten Jahres. Zugegeben, mit einem Schlussstand Ende 2012 bei etwa 1.32 USD pro EURO und einer Schwankungsbreite von gerade einmal ±5 Cent, besteht hier noch kein Anlass zu grosser Beunruhigung. Zumal die Schwankungsbreite bei diesem Währungspaar auch 2012 in einer vergleichbaren Grössenordnung lag. Dennoch stellt sich die Frage:

Wurde mit dem Reversal in der vergangenen Woche etwa eine neue Schwächephase für den EURO eingeleitet? Sollte dies der Fall sein, dann könnte eine der Ursachen in der unterschiedlichen Entwicklung der Arbeitsmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks sein. Wie die nebenstehende Grafik verdeutlicht, lag die Arbeitslosenrate in der EU im Zeitraum von 2000 bis 2007 jeweils um ca. 3 bis 5% oberhalb der amerikanischen und auch der japanischen Arbeitslosenrate. Die Arbeitsmärkte entwickelten sich in etwa gleichförmig, wobei sich die Entwicklungen des amerikanischen Arbeitsmarktes mit einer Zeitverzögerung von ein bis zwei Jahren in Europa widerspiegeln.

In der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 schoss die amerikanische Arbeitslosenquote extrem stark nach oben und erreichte europäisches Niveau. Seit 2010 ist allerdings wieder eine zunehmende Divergenz zwischen Europa und der USA zu erkennen. Während in den USA die Quote von 10% im Hoch auf aktuell 7.2% gesunken ist, stieg in der EU die Rate im gleichen Zeitraum von 10% auf 11% in der EU-28 bzw. sogar 12% in der EA-17.

Chart US-Arbeitsmarkt
Quelle: EUROSTAT, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home/

Berücksichtigt man nun noch die Tatsache, dass die amerikanische Notenbank FED das Zurückfahren (Stichwort: Tapering) der Anleihekaufprogramme von einer Verbesserung des heimischen Arbeitsmarktes abhängig macht, so kann man zu der Erkenntnis gelangen, dass die USA die effizientere Krisenbewältigungsstrategie durchgeführt haben. Damit könnte die FED deutlich früher als die EZB wieder zu einer etwas restriktiveren Geldpolitik zurückkehren. Im Ergebnis würden dann auch die Zinsen in den USA verglichen mit den Zinsen in Europa deutlich stärker steigen. Damit aber würden Anlagen im Dollar besser rentieren als im EURO, was wiederum die Geldströme in Richtung USA leiten würde.

Charttechnisch liegt eine ähnliche Situation wie im Februar vor. Damals fiel der EURO gegenüber dem Dollar innerhalb weniger Wochen von 1.36 USD auf 1.27 USD. Sollte jedoch die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika und Europa weiterhin so divergent verlaufen wie das die Verläufe der Arbeitslosenquoten andeuten, dann könnte sogar ein deutlich stärkerer Rückgang des EURO bevorstehen.

Wochenrückblick

Devisen & Rohstoffe

Die Rohstoffe mussten in der vergangenen Woche einmal mehr auf breiter Front herbe Verluste einstecken. Mit Kupfer und Sojabohnen-Öl konnten nur zwei der 17 von uns beobachteten Rohstoffe Gewinne verzeichnen.

Auslöser für die Kurschwäche bei den Rohstoffen war der starke Rebound des US-Dollar. Sah es in der Vorwoche noch danach aus, dass der USD eine wichtige Unterstützung nach unten durchbrechen könnte, legte die amerikanische Währung mit einem Plus von knapp 2% die zweitbeste Woche in diesem Jahr hin. Entsprechend haben die anderen Währungen – mit Ausnahme des kanadischen Dollars – deutlich gegenüber dem USD an Wert eingebüsst. Damit weisen unsere Tradingmodelle für fünf der sieben von uns beobachteten Währungspaare eine SHORT-Position gegenüber dem USD aus. Dies korrespondiert auch mit der üblichen saisonalen Stärke des USD für den November. Erst ab Anfang Dezember neigt der USD in Bezug auf die Saisonalität wieder zur Schwäche.

Auch die Edelmetalle konnten nicht an die guten Vorgaben der Vorwoche anknüpfen. Wieder einmal wurden die glänzenden Metalle durch ein FED Meeting in den Keller geschickt. Gold und Silber verloren deutlich, während sich Platin mit einem kleinen Minus von 0.25% erstaunlich gut halten konnte. Einzig Kupfer war in der Lage, ein marginales Plus in das Wochenende zu retten.

Schwach waren auch die Ergebnisse im Getreidebereich. Mit Ausnahme von Sojabohnenöl (+2.11%) verloren alle anderen Märkte sehr deutlich. Insbesondere bei Sojabohnen-Mehl und bei Sojabohnen scheint sich nun ein ausgeprägter Kursrückgang abzuzeichnen.

Die Weichwaren konnten sich dem schwachen Rohstofftrend ebenfalls nicht entziehen und verloren zwischen 3% und 4%. Während diese Verluste bei Kaffee und bei Baumwolle lediglich die Serie der vergangenen Wochen und Monate fortsetzte, ist bei Zucker die gute Stimmung aus der ersten Oktoberhälfte wieder in Richtung Baisse gekippt.

{loadposition mainbody_author_rw}
{loadposition inbeitrag_social}