(Prime Quants) – Um es gleich vorweg zu nehmen – nein, ein Wunder ist in dieser Woche bislang nicht geschehen, auch wenn sich allerhand Wundersames in den vergangenen Tagen getan hat. So veröffentlichte die EZB am Sonntag die wenig verwunderlichen Ergebnisse des unter großem Bohei an den europäischen Banken durchgeführten Stresstests, der allerdings, oh Wunder, ein Deflationsszenario gar nicht berücksichtigte und deshalb von vielen als wunderbarer Witz bezeichnet wurde. Äußerst verwundert hingegen haben die Aussagen der Innenminister von Bund und Land, im konkreten Falle NRW, die den völlig missglückten Einsatz der Polizei gegen mobilmachende Hooligans als durchaus gelungen und Erfolg bezeichneten. Dann war da noch ein wunderlicher Popstar, der aus dem Kreißsaal live die Geburt seines Kindes twitterte, und beinahe bewundern konnte man Verkehrsminister Dobrindt in seiner Glanzrolle als Prügelknabe der Koalition, der die kläglichen Reste seiner einst hochfliegenden Mautpläne vor laufenden Kameras zu einem Häuflein Elend zusammenfegen musste. Und zu guter Letzt wurden 150 frenetisch bejubelte Peschmerga aus dem Nordirak an die türkisch-syrische Grenze eingeflogen, um in Kobane ein wahres Wunder zu vollbringen. Wen wundert’s da eigentlich noch, dass es angesichts dieser eher seltsam anmutenden Nachrichtenlage von den Märkten ebenfalls Kurioses zu berichten gibt:

Wundermittel

Denn beim Kabarett auf dem Parkett ging es in dieser Woche auch so richtig drunter und drüber, und für jede Kursbewegung war etwas dabei: ifo-Index zum sechsten Mal in Folge gesunken, Kurse in den Keller. Dow (erstmals seit dem 03. Oktober) über 17.000, Kurse durch die Decke. Fed-Sitzung steht an, Kurse stehen still. Fed verkündet Einstellung der Anleihekäufe, Kurse klappen weg, um anschließend im Sog amerikanischer Konjunkturdaten wieder nach oben zu schießen. Auf diese Weise tanzte der DAX munter um die 9.000-Pukte-Marke herum, ohne zunächst einen nennenswerten Schritt voran zu kommen. Dabei hatten sich doch so viele zumindest von der Fed ein kleines Wunder versprochen: Klare Signale nämlich, wann genau denn nun mit der allfälligen Leitzins-Erhöhung zu rechnen sei. Doch die US-Notenbank ließ sich auch diesmal nicht in die Karten blicken und verkündete lediglich, was ohnehin schon jeder wusste: das Quantitative Easing Teil 3 wird planmäßig eingestellt. Damit hat die Fed seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 die irrsinnige Summe von 3,5 Billionen US-Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Und sitzt nebenbei auf einem riesigen Berg von Anleihen, die in den kommenden Jahren wieder verkauft werden müssen. Diese Verkäufe sollen neben der bereits erwähnten Leitzins-Anhebung DAS Wundermittel sein, um die Liquiditätsüberschüsse wieder aus den Märkten abfließen zu lassen. Ob das gelingt? Das weiß im Augenblick noch niemand, fest steht jedoch:

Middle of Nowhere

Die Märkte präsentierten sich in dieser Woche extrem uneinheitlich. Während die amerikanischen Indizes ihre 200-Tage-Linien bereits zurückerobern konnten und somit formal wieder in Aufwärtstrends notieren, befinden sich DAX & Co charttechnisch betrachtet noch irgendwo im Nirgendwo. Die Volatilität ist dabei nach wie vor immens hoch, sodass die Handelsspanne beinahe voll ausgeschöpft wird. So liegt die erste Unterstützung im DAX beispielsweise bei 8.900/8.800 Punkten, wohingegen der nächste Widerstand zunächst bei 9.100/9.150 Zählern zu finden war. Allein am gestrigen Donnerstag klapperte der Index diese beiden Zielmarken an nur einem Handelstag ab und legte dabei insgesamt eine 260 Punkte umfassende Strecke zurück. Ähnlich turbulent geht es am heutigen Freitag zu: Nachdem die japanische Notenbank völlig überraschend eine deutliche Ausweitung der Anleihekäufe propagierte, explodierten zuerst der Nikkei und im Anschluss auch die übrigen Indizes rund um den Globus. Der DAX schoss bereits vorbörslich über die 9.300er-Marke, eröffnete bei immerhin noch 9.283 Punkten und nimmt damit nun den nächsten Widerstand bei 9.300/9.350 Zählern ins Visier, während der Dow Jones ein neues Allzeit-Hoch ansteuert. Sieht irgendwie ganz so aus, als ob jetzt doch noch ein Wunder geschieht, aber: Das dadurch heute früh im deutschen Index entstandene, rund 170 Punkte umfassende Gap wird auch wieder geschlossen. Der Rücksetzer auf die oben bereits erwähnten 9.100/9.150 Zähler sollte also in jedem Fall noch einkalkuliert werden!

Erfolgreiche Trades wünscht

Ihr
Sebastian Jonkisch

{loadposition mainbody_author_sj}
{loadposition inbeitrag_mm_bestellseite}