“Ich bin ein Berliner”, dieser berühmte Satz des John F. Kennedy, ausgesprochen in seiner Eigenschaft als US-Präsident beim Besuch in der damals geteilten Metropole anno 1963 hatte für mich schon immer eine besondere Bedeutung, bin ich doch ein Kind dieser Stadt. Dass eben dieser Satz seit Montagabend in einer Reihe steht mit “Je suis Charlie/Paris/Nice usw.” ist ein Spiegelbild des beinahe abgelaufenen Jahres, in dem der Terror mehr als einmal sein hässliches Gesicht gezeigt hat. Allerdings ist es heute noch zu früh, um auf die vergangenen 12 Monate zurückzublicken, das heben wir uns in Form eines Rückblicks für die kommende Woche auf. In dieser wollen wir uns einmal noch vorrangig auf das laufende Geschäft konzentrieren, und dabei fällt auf, dass nicht nur wegen und/oder in Berlin, sondern auch an den Börsenplätzen derzeit die Welt scheinbar stillzustehen scheint:

Knapp unterhalb…

Wie immer, wenn derartige Schlagzeilen das Nachrichtengeschehen dominieren, rücken andere Meldungen oder Ereignisse in den Hintergrund. So fand die Kursentwicklung an den Börsen in dieser Woche nur wenig Beachtung, dabei schraubten sich einige Indizes erneut auf Allzeit-Höchststände (Dow Jones, M-DAX, erstmals in seiner Geschichte über 22.000 Punkten), anderen gelangen immerhin noch neue Jahreshochs, beispielsweise dem DAX. Der schob sich heute früh nahezu unbemerkt auf 11.480,18 Zähler und blieb somit ein weiteres Mal (Höchststand am Mittwoch: 11.479,90) nur knapp unter der 11.500er-Marke hängen. Na sowas, beinahe denselben Wortlaut hatten wir in der vergangenen Ausgabe schon mal verwendet, in Bezug auf den Dow Jones, und Sie werden es nicht für möglich halten, aber die Aussage „knapp unterhalb“ gilt auch an der Wall Street immer noch! Gut, wir sprechen nicht mehr vom selben Zählerstand, denn aus der 19.800er-Marke aus der Vorwoche ist mittlerweile die 20.000er-Hürde geworden. Diese Distanz wurde jedoch in Trippelschritten überwunden, 200 Punkte in 5 Tagen, was das im Dow Jones in Prozent bedeutet, dürfte klar sein – nicht gerade die Welt! Gerade einmal 0,5 Prozent, im Vergleich zu den Vorwochen also schon beinahe Stillstand. Allerdings kann man das so alleine nicht stehen lassen, das wäre in gewisser Weise unfair. Denn:

…ist kurz davor

Wenn Sie mal im Prime Quants Research-Bereich in der Rubrik Marktüberblick vorbeischauen und da den Unterpunkt Aktienindizes anklicken, erhalten Sie auf einer Seite die Performance der wichtigsten Indizes im Überblick, und zwar bezogen auf die vergangenen 50 Handelstage. Das entspricht etwa zweieinhalb Monaten, und wir haben uns für diesen Zeitraum entschieden, da uns zwischen der klassischen kurzfristigen Betrachtung (die bei 21 Handelstagen = einem Monat endet) und dem mittelfristigen Messpunkt (100 Handelstage) ein zusätzlicher Signalgeber fehlte, der einen vorherrschenden Trend bzw. die Entstehung eines solchen abbilden kann. Schaut man nun also auf den PQ Marktüberblick, fällt sofort auf, dass alle Indizes zunächst seitwärts liefen, dann einen ordentlich Satz nach oben machten und dabei durch die Bank rund 10 Prozent Gewinn einfuhren. Damit wäre der Stillstand von vorhin nämlich relativiert! Aber halt – zeigen wirklich alle Indizes dasselbe Chartbild? Nein, interessanterweise hängen eine Handvoll Börsenbarometer deutlich hinterher – der britische FTSE bildet, genau wie der Schweizer SMI, eine Art W aus, und die beiden Technologie-Indizes Nasdaq bzw. TecDAX kommen nicht über ein wildes Zick-Zack-Bewegungsmuster hinaus. Warum die Anleger in den vergangenen Wochen so klar die klassischen Blue Chips bevorzugten und ob die Nachzügler aktuell nur kurz davor stehen, ebenfalls in den Rallye-Modus umzuschalten, diese Fragen werden uns auch nach Weihnachten noch beschäftigen. Deshalb halten auch wir jetzt erst einmal inne und wünschen Ihnen und Ihren Familien ein schönes, friedliches Weihnachtsfest!