(Prime Quants) – In dieser Woche habe ich sehr lange überlegt, welches Sprachbild ich wohl für die nun vorliegende Ausgabe verwenden könnte, um das zu beschreiben, was sich an den Aktienmärkten dieser Welt im Allgemeinen und an den deutschen Börsen im Besonderen derzeit so abspielt. Ein sprachlicher Vergleich mit einer Sportart konnte sogleich ausgeschlossen werden, das Thema hatten wir ja gerade erst. Eine Seefahrt mag zwar manchmal lustig sein, ist thematisch aber diesmal unpassend und der ewige Vergleich mit der Bergsteigerei zu abgedroschen. Satire ist nicht jedermanns Sache (fragen Sie mal Herrn Erdogan!) und auch im Tierreich wurde ich nicht fündig. Das Mittelalter fiel mir ein, und sieh da – Volltreffer! Vor meinem geistigen Auge erblickte ich emsige Heerscharen, die sich eifrig bemühten, steinerne Zinnen zu erklimmen. Dazu eine Prise Fantasy a lá Schlacht um Helms Klamm in „Herr der Ringe Teil II“, und schon sind wir mittendrin im Marktgeschehen. Die Rolle der lustigen Orks haben dabei natürlich die Kurse übernommen, und als wehrhafte Trutzburg musste, wie so oft in den vergangenen Wochen, im DAX beispielsweise die 10.000er-Marke herhalten. Oder das neue Jahreshoch im Dow Jones, bzw. direkt darüber nun die 18.000er-Hürde um ein weiteres Beispiel zu nennen. An Widerständen hat es jedenfalls nicht gemangelt, weshalb auch etliche Angriffswellen nötig waren:

Sturmlauf

Zunächst sah es zum Auftakt dieser Handelswoche noch so aus, als ob sich dieses – unter dem Strich erfolglose – Anrennen gegen die übermächtigen Barrieren fortsetzen würde. Ein unauffälliges Plus von 0,37 Prozent und wieder nix mit der 10.000, so lautete die Bilanz im DAX am Dienstagabend. Zur gleichen Zeit aber, an einem anderen Ort, meldete sich eine zu Wort, die durchaus was zu melden hat – Janet Yellen nämlich. Die sprach in New York, und zwar unter anderem davon, dass die Fed, deren Vorsitz sie bekanntlich innehat, ganz genau hinschaut, wenn es um Risiken für die US-amerikanische Wirtschaft geht. Die vorgesehenen Leitzinserhöhungen könnten daher niedriger ausfallen, als noch im Dezember geplant. Für die Kurse, die bis dahin vergeblich gegen die immer gleichen Bollwerke anrannten, war das natürlich das perfekte Signal für den nächsten Angriff – gleich am nächsten Tag überwand der deutsche Leitindex (wieder einmal) die 10.000er-Marke und das US-amerikanische Pendant rückte gar mit einem neuen Jahreshoch bei 17.790,10 Zählern bis an die wichtige 18.000er-Barriere vor. Deutliche Kursgewinne also auf breiter Front, strenggenommen waren es hierzulande nur die Deutsche Bank und die Lufthansa, die bei dem Sturmlauf zur Wochenmitte auf der Strecke blieben. Damit wird klar:

Schrittmacher

Wir haben es vor einer Woche bereits gesagt – ohne die US-Märkte als Schrittmacher sieht es für die deutschen Ableger mau aus, wie der gestrige Donnerstag zeigte. Kaum flaute nämlich die Euphorie an der Wall Street ab, rücken wieder andere Market Mover in den Vordergrund – der Ölpreis, der nach seiner jüngsten Erholungsbewegung wieder unter 40 US-Dollar abschmierte oder der Euro, dessen anhaltende Stärke nun wohl doch wieder eher Fluch als Segen für die exportlastige deutsche Wirtschaft bedeutet. Heute – und das ist leider kein Aprilscherz – kamen negative Vorgaben aus Japan hinzu, die den DAX unter die Februar-Abwärtstrendgerade drückten und damit strenggenommen ein Verkaufssignal auslösten. Dementsprechend schwach präsentieren sich die Blue Chips auch, bis zum Mittag hat der deutsche Leitindex bereits über 2 Prozent eingebüßt. Dabei dürfte es sich allerdings zum großen Teil um Gewinnmitnahmen handeln, für uns bleibt die 10.000er-Marke zunächst nach wie vor das Maß aller Dinge. Damit haben auch die bisherigen Zielmarken weiterhin Bestand: auf der Oberseite deckelt die langfristige Abwärtstrendgerade, und auf der Unterseite findet sich – nachdem die kurzfristige Aufwärtstrendgerade heute erst einmal gefallen ist – im Bereich der Volumenkante bei 9.600 Punkten die nächste Haltezone. Die Notierungen werden also allmählich in die Zange genommen, und um sich daraus befreien zu können, wird es eindeutig mehr als ein, zwei starke Sitzungen benötigen. Was genau, dazu wird mein Kollege Sebastian Hoffmann am Montag im Webinar der DZ-Bank einiges zu erzählen haben, falls auch Sie gerne dabei sein möchten, können Sie sich HIER gerne anmelden!

Erfolgreiche Trades wünscht

Ihr
Sebastian Jonkisch

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