(Prime Quants) – Es droht Gefahr! Glücklicherweise nicht für Leib und Leben, sondern „nur“ den Aktienmärkten, aber ernst zu nehmen ist die neue Bedrohung allemal. Die Rede ist natürlich von der aktuellen Entwicklung der Börsen in China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat ein Problem, denn die ehemalige „Konjunkturlokomotive“ zieht nicht mehr. Wer nun glaubt, Fernost sei weit weg, der irrt. Zwar scheinen die derzeitigen Probleme des chinesischen Aktienmarktes auf den ersten Blick hausgemacht, die Auswirkungen sind jedoch weltweit zu spüren. Schauen wir also etwas genauer hin und betrachten die Chronologie der China-Krise (die wir ab sofort – und zum Andenken an unsere griechischen Freunde, die uns mit ihrer „Griese“ so viel Freude bereiteten – nur noch kurz „Chrise“ nennen wollen): Der chinesische Festlands-Leitindex Shanghai Composite hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Noch im vergangenen Sommer dümpelten die Kurse knapp über der 2.000-Punkte-Marke vor sich hin, bevor die Kurse in zwei Rallyeschüben – einem kleineren im Herbst 2014 und einem gewaltigen im Frühjahr 2015 – insgesamt rund 150 Prozent bis auf den Höchststand bei 5.178 Zählern im Juni zulegten. Eine Ursache für diese Mega-Hausse war die nachdrückliche Aufforderung der chinesischen Staatsführung an die Bevölkerung, mittels Aktienkäufen – gerne auch auf Pump – die inländische Konjunktur anzukurbeln und nebenbei gleich noch etwas für die eigene, private Vermögensbildung zu tun. Die Rechnung von Staatspräsident Xi Jinping ging zunächst auch auf, aber:

Alarmstufe „Rot“

Nachdem die chinesischen Märkte dergestalt künstlich nach oben getrieben wurden, platzte die Blase nun schneller, als von staatlicher Seite erwartet. Minus 30 Prozent in 18 Tagen, da leuchteten die Alarmlampen so rot wie die Landesflagge! Entsprechend hektisch reagierte die Führung der kommunistischen Volkspartei auch, dabei hat China noch nicht wirklich ein Problem damit – es bleiben genügend Stellschrauben, an denen gedreht werden kann: Eine kleine Vierteldrehung an der Zins- und eine halbe Umdrehung an der Währungsschraube, schon wäre der Abwärtstrend vermutlich gestoppt. Problematischer ist der jüngste Kursverlust allerdings für die Millionen von Privatanlegern, die auf Geheiß der Staatsoberen kreditfinanziert ihre Aktienpakete erworben haben. Denen dürfte die gerade erst erwachte Lust an der Börse gründlich vergangen sein, nachdem sich die schnellen Gewinne und der vermeintliche, ebenso schnelle Reichtum langsam in Luft aufgelösen bzw. sich in einen Schuldenberg verwandeln. Und wenn wir schon beim Thema Spekulationsschulden sind – genau hier lassen sich Parallelen zur europäischen Marktsituation ziehen. Und da sprechen wir gar nicht von den wirtschaftlichen Abhängigkeiten deutscher Unternehmen zum chinesischen Absatzmarkt. Nein, viel gefährlicher ist doch, dass die Börsen in der Wirtschaftsunion ähnlich aufgeblasen sind.

Blaupause

Der chinesische Börsencrash könnte durchaus als Blaupause für einen Kurssturz hierzulande dienen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die verantwortlichen Obereuropäer wie beispielsweise Mario Draghi ihr Pulver bereits annähernd vollständig verschossen haben und kaum noch Instrumente zur Crashbekämpfung zur Verfügung stehen. Wie instabil die Märkte in Europa sind, wurde zu Beginn dieser Handelswoche deutlich. Mit einem Tagesminus von 2,6 Prozent verbuchte der DAX am Montag nicht nur den fünften Verlusttag in Folge, sondern gab in einer einzigen Sitzung beinahe so viel ab wie in der gesamten Vorwoche (-2,8 Prozent). In den folgenden Sitzungen konnte sich der Leitindex zwar wieder leicht erholen, eine vernünftige Gegenbewegung kam indes nicht zustande. Schönstes Beispiel dafür der sogenannte „Super-Tuesday“ – da startete der DAX zwar dank guter Unternehmenszahlen (sechs der dreißig DAX-notierten Konzerne öffneten ihre Bücher) fulminant in den Handelstag und markierte bei 11.313 Zählern gar den höchsten Stand der Woche. Der Höhenflug endete aber bereits zur Mittagszeit, nach der es bis auf das Tagestief bei 11.144 Punkten abwärts ging. Und das, obwohl der Euro mit einem Kurs von 1,0916 auf seinem Wochentiefststand notierte. Noch vor zwei, drei Wochen wäre der DAX da durch die Decke gegangen. Doch davon ist im Augenblick nichts zu spüren. Es scheint, als ob Shanghais lange Schatten derzeit bis auf das europäische Parkett reichen. Was dagegen hilft? Erhöhte Wachsamkeit und gegebenenfalls eine hohe Cash-Quote. Denn Cash schützt immer noch am besten vor Crash!

Erfolgreiche Trades wünscht

Ihr
Sebastian Jonkisch