person_outline
search
Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Märkte in Bewegung

Marktbewegende Ereignisse hatten wir in dieser Woche nun wahrlich reichlich. Teils sogar mit historischem Ausmaß, wie beispielsweise bei Meta Platforms, Mutterkonzern von Facebook. Nachdem die Zahlen durchweg unter den Erwartungen von Anlegern und Analysten lagen, krachte die Aktie 26% in die Tiefe. Damit lösten sich binnen eines Tages stolze 250 Mrd. USD an Marktkapitalisierung in Luft auf – laut der Nachrichtenagentur Bloomberg der größte Verlust, den die Wall Street bis dato an einem Tag gesehen hat. Die „schöne neue Meta-Welt“ kostet den Konzern von Mark Zuckerberg Milliarden, ebenso wie der App-Streit mit Apple. Seit dem Betriebssystem-Update iOS 14.5 im April 2021 sorgt Apple bei seinen iPhones für "App Tracking Transparency", damit kann der Datenverwendung durch Facebook & Co aktiv und per One-Click widersprochen werden. Das trifft Facebooks Kerngeschäft an einem empfindlichen Punkt, gleichzeitig wächst mit Tiktok ein ernstzunehmender Konkurrent um die Zahl der Nutzer, die bei FB im vergangenen Quartal sogar um eine Million zurückging. Ganz anders dagegen Alphabet:

Die Lage ist ernst

Ît is what it is, die Lage ist ernst. Vorbei sind die lockeren Zeiten, in denen die Zinsen unter Null und die Aktienkurse über den Wolken schwebten. Die Zinswende ist da, und mit ihr scheinbar das Ende der Partystimmung an den Märkten. Nun kommt das Ganze, wenn wir ehrlich zueinander und uns selbst sind, nicht wirklich überraschend. Dreistellige Kursgewinne (konkret: 148% im Nasdaq 100) binnen 20 Monaten (konkret: seit dem Corona-Crash im März 2020) wurden von den Anlegern zwar gefeiert, aber – dass diese Rallye ewig korrekturfrei weitergehen würde, davon haben wohl nur die größten Optimisten und Superbullen geträumt. Stattdessen hatten die Bullen zuletzt Sendepause. Denn die Märkte sind in dieser Handelswoche zum ersten Mal seit langem so richtig in die Knie gegangen:

Märkte zwischen Allzeithoch und Korrektur

„Märkte zwischen Allzeithoch und Korrektur“, unter dieses ebenso eingängige wie zweideutige Motto haben meine geschätzten Kollegen Birgit Klein und Sebastian Hoffmann ihre Folge des SG Active Trading Webinars gestellt. (Wer die Veranstaltung am Mittwoch verpasst hat, kann sich übrigens hier die Aufzeichnung ansehen, es lohnt sich, wie eigentlich immer.) Thema war – und ist es auch hier im heutigen Market Mover – der einigermaßen interessante Börsenstart der Märkte ins neue Jahr. Denn während es für einige bereits auf neue Allzeithochs ging, sind andere damit beschäftigt, ihre Wunden nach veritablen Kursstürzen zu lecken. Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, dennoch hat, um ein erstes Beispiel zu nennen, die Sartorius Vorzugsaktie – 2021 mit einem Plus von knapp 76% noch der absolute Überflieger im auf 40 Werte aufgestockten DAX – seit Jahresbeginn bereits rund 21% verloren. Seit dem amtierenden Allzeithoch vom 30. November bei 631,60 Euro haben die Papiere im Tief sogar fast 31% an Wert eingebüßt. Und für alle, denen der Medizin- und Laborausrüster aus Göttingen vielleicht nicht prominent genug ist:

In der Falle

Erwischt! Nachdem ich feststellen musste, dass etwas/jemand ein Loch von der Größe eines 5-Mark-Stücks (na, wer erinnert sich noch daran?) in den Vogelfutter-Sack gefressen hat, habe ich mich mittels einer extra dafür angeschafften (Lebend-)Falle auf die Lauer gelegt und siehe da: gleich am ersten Abend ging mir – sehr zur Freude meiner Nachkommenschaft – eine putzige Maus in die besagte Falle. Selbstverständlich wurde der kleine Nager unter großem Tamtam unverzüglich (und in ausreichender Entfernung zu unserem Grundstück) in die Freiheit entlassen. So weit ist es mit der EZB allerdings noch lange nicht. Die sitzt zwar auch in der Falle, ein Ausweg scheint aber derzeit nahezu ausweglos. Denn „dank“ der expansiven Geldpolitik, mit der die Zentralbank seit fast eineinhalb Jahrzehnten die Märkte stützt, bleibt der Werkzeugkasten der Währungshüter beim aktuellen „Inflationsproblem“ so gut wie leer. Denn die von manchen geforderte Leitzinserhöhung – in „normalen“ Zeiten ein gängiges Mittel, um davongaloppierende Preise (sofern es sich um anhaltende und nicht etwa vorübergehende Inflationseffekte handelt) wieder einzufangen, ist angesichts der Haushaltsverschuldungen einiger EU-Mitgliedstaaten gerade weniger bis gar nicht populär. Und nu?

Auftakt nach Maß

Ihnen allen ein gutes, gesundes neues Jahr, in dessen ersten Handelstagen schon ein echtes Kursfeuerwerk abgebrannt wurde. Dazu kommen wir gleich, zunächst wollen wir aber noch einen letzten Blick zurück werfen. Schließlich war 2021 erneut kein gewöhnliches (Börsen-)Jahr. Die Corona-Pandemie mit all ihren Aus- und Nebenwirkungen machte sich – mal direkt, mal indirekt – über die gesamten zwölf Monate auf dem Parkett beziehungsweise in der Wirtschaft bemerkbar. Und zwar vorrangig mit steigenden Notierungen; neben den Aktienmärkten (DAX: +16%, Dow Jones +20%) haussierten auch die Energie- sowie die Rohstoffpreise, während die (deutschen) Blue Chips mit fast 114 Milliarden Euro ein neues Rekord-Nettoergebnis erzielten. Aber auch die Inflation (Deutschland: +5,3% im Dezember, +3,1% fürs Gesamtjahr, jeweils im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum) und die Staatsverschuldung (Deutschland: 2,5 Billionen Euro) kletterten auf neue Tops. Der Begriff „spekulativ“ erhielt 2021 ebenfalls eine neue Bedeutung:

Ende gut, (fast) alles gut

Das war’s! Wir verabschieden uns aus dem (Börsen-)Jahr 2021 und wünschen Ihnen allen ein frohes Fest sowie einen guten Rutsch in ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr. Möglich macht diesen vorzeitigen Abschied die Lage der Feiertage in diesem Jahr, schließlich werden wohl die wenigsten den Heiligen Abend mit der Lektüre unseres Newsletters verbringen. Für uns ist das die Gelegenheit, heute schon das Resümee eines – aus Börsensicht sehr erfolgreichen – Jahres zu ziehen, in dem an anderer Stelle nicht immer alles rund lief. Aus dem Ruder liefen beispielsweise die Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen oder, um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Inflationsraten; die zuletzt gemeldeten Werte (+5,2% in Deutschland, +4,9% in der Eurozone und +6,8% in den USA, jeweils bezogen auf den Vorjahresmonat) bereiten in erster Linie den Verbrauchern, in zweiter aber auch den Notenbanken zunehmend Kopfzerbrechen. Die US-amerikanische Fed reagierte bereits:

Ein zauberhafter Anfang

Jetzt ist es tatsächlich passiert, Merkel ist weg. Nach 16 Jahren im Kanzleramt räumte die promovierte Physikerin dasselbe und machte am Mittwoch Platz für den gewählten Nachfolger Olaf Scholz. Dabei blieb Merkel mit 5.860 Tagen im Amt lediglich neun Tage unter dem Rekordwert von Helmut Kohl (5.869 Tagen) aus dem Jahr 1998. Aus Sicht der Anleger waren die Merkel-Jahre dabei ein echter Gewinn: Als die CDU-Politikerin am 22. November 2005 als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik als Regierungschefin vereidigt wurde, stand der DAX bei 5.175 Punkten. Die Kursbilanz der Kanzlerin fällt mit einem Plus von gut 10.000 Zählern also in jeden Fall positiv aus. Ob es für den Neuen und seine Ampelkoalition – auch das ein Novum in der deutschen Politik, noch nie wurde das Land von einem Dreierbündnis regiert – ähnlich geschmeidig läuft, wird die Zukunft zeigen. Der Start verlief zumindest schon mal ganz gut:

Tote Katzen springen nicht

Wer uns schon seit längerem, vielleicht sogar von Anfang an liest, der/die weiß, dass ich an dieser Stelle schon mindestens einmal über den Dead Cat Bounce geschrieben haben. Dead Cat what? Beim Dead Cat Bounce – manche schreiben den mit Bindestrichen zwischen den einzelnen Wörtern, was ich wiederum für übertrieben halte – kommt es zu einem kurzzeitigen Rebound nach einer scharfen Abwärtsbewegung, also einer Erholung, die zumeist aber nur eine kurze Gegenbewegung in einer anhaltenden Korrektur ist. Also in etwa das, was sich am Montag, vor allem aber am Mittwoch dieser Woche an den Märkten beobachten ließ. Nachdem der DAX nämlich, um gleich beim heimischen Leitindex zu bleiben, am Freitag erst mit einem ordentlichen Gap down unter die Räder gekommen und dann unter die 200-Tage-Linie gerutscht war, schien der Montag zunächst ganz im Zeichen der Erholung zu stehen. Doch schon einen Tag später drehten die deutschen Blue Chips wieder nach unten ab. Und:

Alle Jahre wieder

Ach ja, „Alle Jahre wieder“, das klingt so heimelig, so weihnachtlich. Und tatsächlich ist es wieder einmal so weit, der Advent macht seinem Namen alle Ehre (lat. Adventus = Ankunft) und steht direkt vor der Tür. Schön, jedenfalls unter normalen Umständen. „Stade Zeit“, so wird das im bayerischen Sprachraum genannt, wobei „stad“ so viel wie „still“ bedeutet. Still und besinnlich ist hier in diesem Jahr aber gar nichts, und damit meine ich übrigens nicht das Getöse, das meine Rasselbande daheim tagein, tagaus veranstaltet. Ich dachte hierbei eher an die verschiedenen Bühnen, auf denen derzeit allerlei geboten wird. Beispiel Pandemie – das Land surft halsbrecherisch auf der mittlerweile vierten Welle, als ob wir nicht bereits einen harten Coronawinter hinter uns gebracht hätten, und wie bei einem Déjà-vu überschlagen sich die Ereignisse. 3G, 2G, mal plus, mal minus, und am Ende doch wieder Lockdown, erst light, dann immer härter, weil die Zeit einfach davonläuft und das Virus mit immer neuen Varianten einfach den entscheidenden Schritt voraus ist. Neben der I-mpfpflicht wird allerdings auch weiterhin über die I-nflation gestritten:

Nur noch kurz die Welt retten

Zehn Jahre ist das schon wieder her, dass Tim Bendzko, Berliner wie ich, mit dem Song „Nur noch kurz die Welt retten“ den Durchbruch als Singer/Songwriter schaffte. 47 Wochen war das Lied damals in den deutschen Charts, was vermutlich auch am eingängigen Refrain gelegen haben dürfte. Ein Jahrzehnt später passt der Titel zwar immer noch, allerdings hat sich die Gesamtsituation in vielerlei Hinsicht verändert. Ein Virus hält die Welt in Atem und auch auf Trab; mit der vierten Welle erreicht Deutschland weiterhin Spitzenwerte bei den Infektionszahlen, Tendenz leider unvermindert steigend. Von der Eurokrise, die 2011 so richtig Fahrt aufnahm und im Sommer darauf mit Mario Draghis legendärer „Whatever it takes“-Rede auf der Global Investment Conference in London ihren Höhepunkt erreichte, spricht oder schreibt dagegen heute niemand mehr.

Subscribe to this RSS feed

Hinweispflicht nach §34b WpHG: Die Prime-Quants.de-Redaktion ist in genannten Wertpapieren / Basiswerten zum Zeitpunkt des Publikmachens des Artikels eventuell investiert. Es liegt möglicherweise ein Interessenskonflikt vor. In der Regel finden Sie im Artikel selbst einen Hinweis darauf, falls dem so ist. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Disclaimer: Der Inhalt der Webseite ist nicht als Angebot zum Erwerb der hier oder auf weiterführenden Webseiten beschriebenen Produkte zu verstehen. Die auf der Webseite angezeigten Inhalte sind unverbindlich und dienen lediglich zu Informationszwecken. Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Erwerb der beschriebenen Produkte dar. Die Informationen zur Wertentwicklung in der Vergangenheit bieten keine Gewähr für zukünftige Erträge. Aussagen die Zukunft betreffend sind immer risikobehaftet. Die Inhalte unserer Seiten erstellten wir mit größter Sorgfalt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit Aktualität und Angemessenheit der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen. Als Diensteanbieter sind wir gemäß § 7 Abs.1 TMG für eigene Inhalte auf diesen Seiten nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich. Nach § 8 bis § 10 TMG sind wir als Diensteanbieter jedoch nicht verpflichtet, übermittelte oder gespeicherte fremde Informationen zu überwachen oder nach Umständen zu forschen, die auf eine rechtswidrige Tätigkeit hinweisen. Verpflichtungen zur Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen nach den allgemeinen Gesetzen bleiben hiervon unberührt. Eine diesbezügliche Haftung ist jedoch erst ab dem Zeitpunkt der Kenntnis einer konkreten Rechtsverletzung möglich. Bei Bekanntwerden von entsprechenden Rechtsverletzungen werden wir diese Inhalte umgehend entfernen. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung von Prime Quants wieder und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Wir behalten uns das Recht vor jederzeit die Webseite teilweise oder vollständig zu verändern, den Betrieb einzuschränken oder zu beenden. Das Recht diese Bedingungen jederzeit zu ändern oder zu ergänzen wird von den Betreibern vorbehalten. Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Vervielfältigung der Seiten oder ihrer Inhalte bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Urhebers. Soweit die Inhalte auf dieser Seite nicht vom Betreiber erstellt wurden, werden die Urheberrechte Dritter beachtet. Insbesondere werden Inhalte Dritter als solche gekennzeichnet. Sollten Sie trotzdem auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam werden, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Inhalte umgehend entfernen. Detaillierte Informationen können Sie hier einsehen: Disclaimer