Sebastian Affeld

Sebastian Affeld

Fliegende Schweine

Erinnern Sie sich noch an Michael Burry? Von dem war hier vor einigen Wochen erst die Rede, und zwar im Zusammenhang mit seinem aufsehenerregenden Short-Engagement auf den E-Autobauer Tesla. Dieser Michael Burry also ist im echten Leben Hedgefonds-Manager bei seinem Unternehmen Scion Asset Management und diente im Film „The Big Short“ aus dem Jahr 2015 als Vorbild für den von Christian Bale gespielten Titelhelden. Seitdem Burry schon sehr früh (und dank seiner Short-Strategie letztlich auch sehr erfolgreich) vor dem Platzen der US-amerikanischen Immobilienblase und der anschließenden weltweiten Finanzkrise 2008/2009 warnte, gilt der Kalifornier, der morgen seinen 50. Geburtstag feiert, als Star-Investor, dessen (Markt-)Einschätzungen durchaus Gewicht haben. Entsprechend wurde über das Long-Engagement Burrys bei Gamestop berichtet, und auch der bereits erwähnte Short-Trade auf Tesla sorgte für großes mediales Interesse. Ob es der Twitter-Beitrag vom Dienstag ebenfalls in die Schlagzeilen schaffen wird? Abwarten, fest steht jedenfalls:

Zurück im Spiel

Wir sind wieder im Spiel! Wir, das bedeutet in diesem Fall Fußball-Deutschland, denn mit dem heutigen Freitag startet – ein schlappes Jahr später als geplant – die Fußball-Europameisterschaft 2020. Oder eben 2021, wenn Sie so wollen. Geschuldet war beziehungsweise ist die Verschiebung, wie könnte es anders sein, der Corona-Pandemie, die ein Fußballfest im vergangenen Sommer schlichtweg unmöglich machte. Ob die Veranstaltung in diesem Jahr eine gute Idee ist, wird sich am Ende des Tages (oder besser: an jenem des Sommers) zeigen, zumindest die Signalwirkung ist jedoch unmissverständlich. Denn da ist es endlich, das berühmte und neuerdings so viel zitierte „Licht am Ende des Tunnels“. Was vielleicht auch ein bisschen daran liegt, dass – anders als beispielweise in Großbritannien – die zuerst in Indien entdeckte „Delta“-Variante des Coronavirus in Deutschland bislang noch kaum vertreten ist. Und die Fallzahlen damit – ebenfalls anders als beispielsweise im Vereinigten Königreich – hierzulande weiter sinken. Ob das so bleibt, muss sich gleichermaßen am Ende dieses Sommers zeigen; Stand heute steht zumindest fest:

Maisterliche Performance

nein, bei der heutigen Überschrift habe ich mich nicht vertippt, sondern vielmehr schon im Titel umrissen, worum es heute gehen soll. Unser Thema ist diesmal nämlich die ziemlich überzeugende Performance, die der deutsche Leitindex im (letztlich dann doch noch seinem Namen alle Ehre machenden) Wonnemonat Mai aufs Parkett gezaubert hat. Dabei sprangen zwei neue Intraday-Rekordstände und ein Monatsergebnis von +1,88% heraus, womit die „Sell-in-May“-Strategie in diesem Jahr ganz offensichtlich keine Rolle spielte. Wer jetzt allerdings glaubt, dass wir es damit gleichzeitig auch mit einem Ausnahmemonat zu tun hatten, den oder die müssen wir an dieser Stelle enttäuschen. Denn wir haben den DAX und seine Mai-Performance auf den historischen Prüfstand gestellt und sind zu diesen Ergebnissen gekommen:

Das neue Normal

„Normal“, was heißt das eigentlich? Der Duden, immerhin so etwas wie die „Grundlage einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung“ (Quelle: Wikipedia) gibt gleich zwei Bedeutungen für das Adjektiv an; „normal“ bedeutet demnach zum einen „der Norm entsprechend; vorschriftsmäßig“ oder auch „so [beschaffen, geartet], wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, Richtige vorstellt“. Die zweite Bedeutung, „so [beschaffen, geartet], wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, Richtige vorstellt“, gilt dabei zunehmend als veraltet bzw. herabsetzend und sollte daher, so die Empfehlung des Duden, vor allem im öffentlichen Sprachgebrauch vermieden werden. Normal scheint mittlerweile aber auch, dass Gerichte der Politik mehr und mehr den Weg weisen. Wahlweise die Arbeit abnehmen, so zumindest der Eindruck, den das Shell-Urteil in dieser Woche hinterließ:

Auf lange Sicht

Mit Pfingsten steht das nächste lange Feiertagswochenende vor der Tür. Und damit sind wir schon direkt beim ersten Stichwort, denn lange Gesichter gab es in dieser Handelswoche auch einige auf dem Parkett. Zumindest an den Kryptobörsen, die gerade am Mittwoch unter verschärften Verkaufsdruck gerieten. Für die „Leitwährung“ Bitcoin ging es binnen weniger Minuten zweistellig abwärts, im Tief rutschten die Notierungen – je nach Handelsplatz – sogar in Richtung 30.000-Dollar-Marke zurück. Wie krass dieser Crash für manche gewesen sein mag, zeigt sich vor allem dann, wenn der Kursabsturz in Relation zum bisherigen Allzeithoch gesetzt wird; das wurde schließlich erst vor gut fünf Wochen, am 14. April markiert und liegt, wiederum je nach Handelsplatz, irgendwo jenseits von 64.000 US-Dollar. Wer also am Top gekauft hatte, musste zur Wochenmitte mit Schrecken feststellen, dass sich das Bitcoin-Investment vorübergehend mal eben mehr als halbierte. „Bitcoin“ ist dabei unser nächstes Stichwort, und das bringt uns nicht nur in den zweiten Absatz, sondern auch gleich zum nächsten Abwärtskandidaten dieser Woche:

Achtung, Inflationsgefahr!

Haben Sie es auch schon gehört oder gelesen? Wir stehen kurz vor einer Inflation, oder zumindest einem möglichen Anstieg der dazugehörenden Rate. Drei Prozent oder mehr, hielt beispielsweise Isabel Schnabel, Direktorin der EZB, in dieser Handelswoche für möglich. Hoppla! Da müssen wir direkt ins Jahr 1993 zurückgehen, um einen höheren Wert (4,5%) ausfindig zu machen; alle darauffolgenden Jahre pendelte die Inflationsrate in Deutschland zwischen 2,6 (1994, 2008) und 0,3% im Finanzkrisenjahr 2009. Kein Wunder also, dass die Angst vor dem allgemeinen Preisauftrieb zuletzt die Schlagzeilen beherrschte. Und an den Märkten für einen ordentlichen Kursrutsch sorgte. Dabei waren es – wieder einmal – vor allem die Tech-Werte, die unter die sprichwörtlichen Räder gerieten (TecDAX auf Wochensicht -3,5%), während defensiv ausgerichtete Titel, wie eine Fresenius oder eine Henkel Vorzugsaktie, sich durchaus behaupten konnten. Dabei gibt es noch einen anderen Aspekt, der die Anleger nervös werden lässt:

Perfektes Timing

Pünktlich zum Start in den – gemeinhin als Wonnemonat bezeichneten – Mai machten die Anleger genau das, was einer der bekanntesten Börsenweisheiten überhaupt zufolge ratsam ist: „Sell in May and go away…“. Der „Sell-in-May“-Effekt beschreibt bekanntlich eine Strategie, in der die Aktienquote über den Winter bis ins Frühjahr hinein hochgehalten und die Dividendenausschüttungen (die gehäuft im bereits erwähnten Frühjahr stattfinden) noch mitgenommen, die Investments im nachfolgenden, üblicherweise ereignisärmeren Sommer jedoch zurückgefahren werden. In unserer digitalisierten (Börsen-)Welt, in der Trades mit wenigen Maus-Clicks durchgeführt sind, gerät diese Taktik zwar vermehrt außer Takt; als „schwache Monate“ gelten mittlerweile vor allem August und September. Weiterhin durchaus sinnvoll ist jedoch, den zweiten Teil der alten Weisheit zu beachten, „…but remember to come back in September“, denn aus statistischer Sicht ist das letzte Quartal eines Jahres in aller Regel auch das beste. Nach diesem Ausflug in die Theorie geht es nun aber zügig zurück ins Hier und Jetzt:

Von Null auf Hundert

An der Zahl 100 kommt man heutzutage ja kaum mehr vorbei. So stehen und fallen diverse, pandemiebedingte Einschränkungen und/oder Lockerungen beispielsweise mit genau dieser Inzidenz 100; so greift unter anderem die berühmte „Notbremse“, auf die sich Bund und Länder unter großem Ach und Weh am Ende doch noch verständigen konnten, sobald ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Zahl von 100 Neuinfektionen innerhalb von 7 Tagen pro 100.000 Einwohner übersteigt. Justament 100 Tage ist aber auch der neue US-Präsident am gestrigen Donnerstag im Amt gewesen, und hat in dieser relativ kurzen Zeit schon einiges auf den Weg gebracht. In Sachen (Erst-)Impfungen gegen das fiese Corona-Virus hat Joe Biden seine eigene Zielmarke von 100 Millionen verabreichten Dosen binnen der ersten 100 Tage schon einmal um mehr als das Doppelte überboten, und auch die Wirtschaft brummt:

Die Würfel sind gefallen

„Die Würfel sind gefallen” sprach der Kanzlerkandidaten-Kandidat Markus Söder am Dienstag und machte mit diesen Worten den Weg für seinen Widersacher Armin Laschet frei. Der muss nun wiederum im Kampf ums Kanzleramt gegen Annalena Baerbock und Olaf Scholz in den Ring. Damit wird diese Bundestagswahl voraussichtlich vor allem eins: richtig spannend! Denn das Rennen ist, nachdem der in Umfragen hochgehandelte bayerische Ministerpräsident nicht zum Zuge kam, wieder völlig offen. Das gilt in gewisser Weise auch für die jeweiligen Wirtschaftsprogramme. Dass die Grünen dabei den Fokus auf klimapolitische Aspekte legen dürften, wird allgemein erwartet. Womit hingegen die SPD und die Union das Land en detail konjunkturell nach vorne bringen wollen, ist noch nicht ganz so klar. Richtig deutlich reagierten dagegen die Märkte auf das neue Dreigestirn am Kandidatenhimmel. Denn es ging, nach dem kurzen, aber knackigen Rücksetzer vom Dienstag, wieder aufwärts. In Zahlen ausgedrückt, sah das dann so aus:

Wann, wenn nicht jetzt?

vielleicht kann sich der eine oder die andere von Ihnen noch an den niederländischen Entertainer Rudi Carrell erinnern. Der Sänger, Schauspieler und Showmaster, dessen Todestag sich im Juli 2021 bereits zum 15ten Mal jährt, hat vor allem in den 1970ern mit der Spieleshow „Am laufenden Band“ ganz Deutschland unterhalten. Und im Jahr 1975 zudem einen Hit gelandet, als er die Frage „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ musikalisch vertonte. Das, also Sommer, wäre aktuell natürlich deutlich verfrüht, allerdings wäre ich schon froh, wenn wir überhaupt erst einmal einen vernünftigen Frühling bekämen. Während ich nämlich über die Neuinterpretation des alten Carrell-Songs nachsinne, zieht am Horizont die nächste Wolkenwand auf, die eher Schnee und Graupel als das von Eduard Mörike schon 1829 beschriebene „flatternde blaue Band“ verheißt. Von zartem Grün jedenfalls erst einmal kaum eine Spur, und das gilt in gewisser Weise auch für den Verlauf in dieser Handelswoche. Der DAX zumindest trat über weite Strecken auf der Stelle, denn die Musik spielte zunächst andernorts:

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